Für mich ist der Besuch beim Internationalen Bühler Bluegrass Festival eine beliebte Tradition. Ein ganzes Jahr freue ich mich auf dieses Wochenende!

Immer dasselbe Hotel (meist sogar das gleiche Zimmer), ein Abendessen beim Griechen und sechs bis sieben Stunden Bluegrass-Musik vom Feinsten. Nur unterbrochen durch Trink- und Essenspausen.

Diesmal fiel leider die Klimaanlage aus, so dass zur Begeisterung auch noch viel Schweiß dazu kam. Bei mir, aber vor allem bei den MusikerInnen, die einige Schweißtücher brauchten.

Die Auswahl der Bands war unschlagbar. Und obwohl ich in Bühl schon unglaubliche Stars der Bluegrass-Szene, wie z. B. Sierra Hull, erleben durfte, waren auch diesmal wieder echte Knaller dabei. Und alle zusammen zeigten, wie unterschiedlich Bluegrass sein kann.

22. Internationale Bühler Bluegrass Festival


Alles war dabei! Vom traditionellem Bluegrass, powervollem urbanen Stil mit geiler Gesangsstimme, „Gentlemen“-Bluegrass und dann noch zum Abschluss der Stil sprengende Sound der Kruger Brothers, die wohl mehr Standing Ovations erhielten, als ich jemals bei Bluegrass-Konzerten erlebt habe.
Sie wollten nicht aufhören zu spielen und konnten nur vom Veranstalter mit Mühe gestoppt werden.

Die Jamsession am Ende durfte natürlich auch nicht fehlen. Alle MusikerInnen zusammen auf der Bühne zeigten noch einmal, was Bluegrass tatsächlich bedeutet.

Nach sieben Stunden Musik und einigen Bieren ging ich einfach glücklich zum Hotel und konnte lange nicht einschlafen, da mich das Erlebte noch lange beschäftigte. Natürlich im positiven Sinne!

 

Es folgen allgemeine Infos zum Festival und den Bands:

Das 22. Internationale Bühler Bluegrass-Festival (29. bis 31. Mai 2026) war laut Medienberichten und Kritiken ein Konzert der Extraklasse und ein voller Erfolg. Das fast ausverkaufte Bürgerhaus Neuer Markt und die ausgelassene Stimmung der Fans machten Bühl erneut zur europäischen Bluegrass-Hochburg. 

Highlights und Rezensionen der Konzerttage

  • Ausverkaufter Auftakt am Freitag: Das traditionelle Eröffnungskonzert „Bluegrass unter Hebebühnen“ in der Werkstatt der Firma Oechsle war komplett ausverkauft. Die kurzfristig eingesprungene US-Band Cole Quest & The City Pickers überzeugte gemeinsam mit den britischen Old Baby Mackerel. 
  • Begeisterung im Bürgerhaus am Samstag: Der Hauptkonzertabend bot eine enorme musikalische Vielfalt, die das Publikum zu stehenden Ovationen hinriss.
  • Sacred Sounds of Grass: Die deutsche Combo beeindruckte mit traditionellem Bluegrass und einem Gänsehaut-Moment beim a cappella vorgetragenen „Go Down Moses“.
  • Damn Tall Buildings: Das Trio aus New York brachte mit einer Mischung aus Bluegrass, Folk und Americana moderne Einflüsse und eine kräftige Blues-Stimme auf die Bühne. Die ausgelassene Spielfreude brachte die Zuschauer am Bühnenrand zum Tanzen.
  • Chris Jones & The Night Drivers: Trat bereits zum vierten Mal auf. Ihr Auftritt wurde als „Gentleman-Bluegrass“ gelobt – authentisch, gelassen und mit tiefgehenden, lebensnahen Texten.
  • The Kruger Brothers: Das lang ersehnte Trio bot virtuos fließende Melodien und berührenden Gesang. 
  • Einmaliges Finale: Am Ende des Hauptabends spielten alle vier Samstags-Bands für eine gemeinsame Session zusammen auf der Bühne. 
  • Innovativer Sonntag: Das Festival endete mit einem erfolgreichen musikalischen Experiment in der Kirche St. Peter und Paul. Unter dem Motto „Bluegrass meets Schwarz-Orgel“ trafen die akustischen Saiteninstrumente auf die sakrale Klangfülle der Kirchenorgel.

Das Fazit von Publikum und Presse

Die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) hoben die besondere, familiäre Atmosphäre hervor. Neben den offiziellen Bühnen verwandelte sich die gesamte Stadt – insbesondere der Europaplatz – durch spontane Jam-Sessions von Hobby-Musikern in eine lebendige Open-Air-Bühne. Besucher lobten zudem die Organisation durch Festivalleiter Patrick Fuchs, der die Veranstaltung mit viel „Herzblut“ führt und das große Erbe seines Vaters Walter Fuchs erfolgreich weiterentwickelt.

 

Details zu den Bands und ihren Auftritten:

  1. Chris Jones & The Night Drivers (USA)
    Die 1995 gegründete Band gilt als eine der elegantesten Formationen der weltweiten Bluegrass-Szene. In Bühl überzeugten sie vor allem durch ihren homogenen, warmen Sound und exzellentes Storytelling.
    1. Besetzung: Angeführt von Mastermind Chris Jones mit seiner markanten Baritonstimme. Begleitet wurde er von Mark Stoffel an der Mandoline, Nelson Williams am Bass und Grace Van't Hoof, die neben dem Banjo auch die Ukulele im Bluegrass etablierte.
    2. Stil: Ihr Auftritt bot anspruchsvollen "Gentleman-Bluegrass" – unaufgeregt, hochprofessionell und mit tiefgründigen Texten.
  2. Damn Tall Buildings (USA)
    Das Trio aus New York brachte moderne, urbane Energie in das ansonsten traditionell geprägte Festival. Sie bauten eine Brücke zwischen den Genres und rissen das Publikum im Saal sofort mit.
    1. Stil: Ein energiegeladener Mix aus traditionellem Bluegrass, Folk, Americana und Blues.
    2. Besonderheit: Die Band fiel durch ihre enorme Spielfreude und kraftvolle Gesangsparts aus. Ihre Rhythmen animierten zahlreiche Zuschauer dazu, direkt vor der Bühne zu tanzen.
  3. Sacred Sounds of Grass (Deutschland)
    Als die wohl bekannteste deutsche Bluegrass-Formation hielten sie die Flagge für die europäische Szene hoch. Sie zeigten eindrucksvoll, dass authentischer Bluegrass nicht zwingend aus Übersee stammen muss.
    1. Stil: Hochpräziser, traditioneller Bluegrass im Stile der Gründerväter des Genres.
    2. Highlight: Neben dem instrumentalen Können an Banjo und Mandoline glänzte die Band mit ihrem mehrstimmigen Gospel-Gesang. Ihr a-cappella-Vortrag von „Go Down Moses“ sorgte für einen der emotionalsten Momente des Abends.
  4. The Kruger Brothers (USA)
    Die drei Musiker – ursprünglich aus der Schweiz stammend, aber seit Jahrzehnten in den USA ansässig – gehörten zu den absoluten Publikumslieblingen des Festivals.
    1. Stil: Ihre Musik sprengt oft die Grenzen des klassischen Bluegrass und bettet Elemente aus Jazz und Klassik in die traditionelle Instrumentierung ein.
    2. Performance: Das Trio begeisterte durch ein extrem fließendes, virtuoses Zusammenspiel und berührende Gesangsharmonien, die für langanhaltende stehende Ovationen sorgten.

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