Jeder hat eine ganz eigene Geschichte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass mich, bei meiner Vergangenheit, die Geschichten von Tennessee Williams schon immer angezogen haben.
Die zwischenmenschlichen Tragödien, die erst dann nachvollziehbar erscheinen, wenn man die jeweiligen Hintergründe der Akteure kennt.

Ich war noch sehr jung, als ich im Fernsehen die Verfilmungen von „Endstation Sehnsucht“ und „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ sah. Es waren Geschichten, die mich wohl schon damals ganz leicht an meine Geschichte erinnerten. Wenn wohl auch nur unterbewusst.

Aufgrund dieser Erinnerungen schlug ich augenblicklich zu, als ich sah, dass „Endstation Sehnsucht“ im Alten Schauspielhaus in Stuttgart aufgeführt wird.
Und was soll ich sagen? Ich war von der ersten bis zur letzten Minute in der Geschichte gefangen. Ja, die Energie, das Drama und die Darstellung des schwül-warmen Südstaaten-Schauplatzes fesselten mich.
Das Bühnenbild erschien so simpel und war doch einfach grandios. Die SchauspielerInnen zeigten in manchen Szenen Energie und Einsatz, die mich manchmal erschrecken ließen. Teilweise machte ich mir sogar Sorgen, ob einzelne Personen sich verletzt haben könnten. So zum Beispiel als Mitch (Marius Hubel) im Kampf zu Boden geworfen wurde und dabei gegen Tisch und Stühle knallte.
Eine andere Szene war so emotional, dass ein Glas von der Bühne geschleudert wurde und mich, in der ersten Reihe, am Schienbein traf. Zum Glück war es ein Bühnen-Glas. Also aus Plastik.

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Die DarstellerInnen, allen voran Natalie O’Hara als Blanche DuBois und Max Hemmersorfer als Stanley Kowalski, beide auch aus diversen TV-Produktionen bekannt, waren großartig.
Aber eigentlich möchte ich gar niemand hervorheben. Alle Akteure waren super! Sheila Bluhm als Stella hat beeindruckend gespielt und natürlich Marius Hubel als Mitch, den ich zuletzt in „Barfuß im Park“ bewunderte, war überzeugend!

Nach fast zweieinhalb Stunden verließ ich nachdenklich aber absolut zufrieden das Theater. Bei einem oder mehr Bieren philosophierten wir noch über das Stück. Und dabei kamen bei mir auch einige Erinnerungen zu meiner Geschichte zurück.

Link zu: Endstation Sehnsucht - Schauspielbühnen Stuttgart

 

 

Interessante Infos rund um die Aufführrung:

Die aktuelle Inszenierung von Tennessee Williams’ Meisterwerk „Endstation Sehnsucht“ am Alten Schauspielhaus Stuttgart besticht vor allem durch ihr starkes Schauspielensemble und eine atmosphärisch dichte, historisch-nostalgische Umsetzung. 

Hier sind die tieferen Details zur Handlung, den Rollen und dem Bühnenbild:

Handlung & Thematik

Das Stück ist ein Meilenstein der amerikanischen Dramatik. Die verarmte, labile Südstaaten-Schönheit Blanche DuBois zieht nach dem Verlust des Familienanwesens „Belle Reve“ nach New Orleans zu ihrer jüngeren Schwester Stella. Dort prallt sie ungebremst auf Stellas Ehemann Stanley Kowalski, einen rauen Weltkriegsveteranen mit proletarischem Charme. 

  • Der Konflikt: Zwischen der bürgerlich-arroganten Blanche und dem besitzergreifenden Stanley entbrennt ein brutaler Psychokrieg.
  • Die Flucht: Überfordert von der Realität und ihren eigenen Traumata flüchtet sich Blanche zunehmend in Alkohol und ein Netz aus Lügen und Illusionen.
  • Triggerwarnung: Die Produktion der Schauspielbühnen Stuttgart thematisiert und zeigt ungeschönt psychische, physische sowie sexualisierte Gewalt. 

Das Ensemble im Fokus

Die Stuttgarter Inszenierung lebt von der schauspielerischen Wucht der beiden Hauptdarsteller:

  • Natalie O'Hara (Blanche): Die Bergdoktor-Darstellerin zeigt Blanche extrem facettenreich – mal als stolze, wohlhabende Dame, mal als zutiefst gebrochene, traumatisierte Alkoholikerin und lügende Narzisstin. Laut Kritiken wechselt sie fast im Minutentakt zwischen diesen Persönlichkeiten.
  • Max Hemmersdorfer (Stanley): Er verkörpert das toxische Alpha-Männchen mit großer Leichtigkeit und sammelt durch freche Sprüche zunächst Sympathiepunkte, bevor er das innere, gewalttätige Monster Stanleys zum Vorschein bringt.
  • Sheila Bluhm (Stella): Sie spielt die Schwester, die tragisch zwischen den Fronten steht und sich am Ende zwischen ihrer Blutsverwandten und dem Vater ihres ungeborenen Kindes entscheiden muss. 

Regie & Das „Haus ohne Wände“

Regisseur Robin Telfer hält sich eng an die historische Vorlage der 1940er-Jahre. Das Bühnenbild von Siegfried E. Mayer setzt die psychologische Enge genial um: 

  • Alarmrot als Warnung: Vorhänge, Bettwäsche und Lampenschirme sind in dominantem Rot gehalten, was eine ständige Atmosphäre von Gefahr und Unwohlsein erzeugt.
  • Keine Privatsphäre: Die Wohnung der Kowalskis hat auf der Bühne keine festen Außenwände, und die Eingangstür steht frei im Raum. Der Vorhang zwischen Küche und Schlafzimmer ist komplett durchsichtig – Blanche ist den Blicken Stanleys und der Enge der Wohnung hilflos ausgeliefert. 

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